Meine Lieblingskuh
Unter dem Motto Meine Lieblingskuh findet im Rahmen des Festivals suido 2026 – a viecherei am 26. September in Schluderns erstmals eine Viehausstellung mit einer Bewertung anderer Art statt. Ziel dieser Veranstlatung ist es, über ein neues Viehschaumodell langlebige und ausgeglichene Kühe zu prämieren. Damit sollen jene Tiere in den Vordergrund gestellt werden, die für Bäuerinnen und Bauern die besten Ergebnisse erbringen. Teilnehmen können alle Viehrassen, einschließlich Kreuzungstiere. Die Bewertung erfolgt nach der Analysemethode Triple aAa. Das Tier mit dem insgesamt ausgeglichensten Körperbau gewinnt die Schau. Analysiert und bewertet werden die Tiere von Theo Pieters und Jake Lohmöller.
Jake Lohmöller: Triple-A dient dazu, Kühe und Bullen so miteinander anzupaaren, dass ausgeglichene, langlebige und funktionelle Tiere entstehen. Dabei werden nicht Zuchtwerte oder Rassen bewertet, sondern die Körperform und ihre Funktion.
Jedes Tier erhält einen dreistelligen aAa-Code, der zeigt, welche Eigenschaften es besitzt oder zur Verbesserung benötigt. Dieses System wird heute weltweit von Milchviehbetrieben genutzt und die aAa-Organisation arbeitet unabhängig von Besamungsstationen und Genetikanbietern.
Theo Pieters: Während meines Studiums und meiner Arbeit in der Tierzucht kam ich häufig mit Triple-A, der ganzheitlichen Philosophie von Bill Weeks, in Berührung. Dieser Mann hat auf brillante Weise den Zusammenhang zwischen Form und Funktion des Tieres erfasst. Alle Körperteile arbeiten so zusammen, dass jedes Säugetier in seiner natürlichen Umgebung optimal funktionieren kann. Man kann am Körperbau des Tieres erkennen, wofür es geeignet ist, aber auch, wo Probleme auftreten können, was Stress verursacht und was die Leistungsfähigkeit des Tieres beeinträchtigt. Der einfachste Ansatz ist, der Natur mit ihren physikalischen Gesetzen und biologischen Lösungen zu folgen. Durch Zucht und damit menschliches Eingreifen wurden manche Tiere (und Rassen) so weit von ihrer natürlichen Form und Funktion entfernt, dass sie nicht mehr richtig funktionieren oder in freier Wildbahn oft ums Überleben kämpfen. Als Menschen tragen wir die Verantwortung, Tiere zu züchten, die Pflanzenmaterial effizient und schmerzfrei in für den Menschen nutzbare Produkte wie Milch, Fleisch und mehr umwandeln. Ich wurde vor elf Jahren offiziell von der AA anerkannt und arbeite als Analytiker in Teilen der Niederlande, Deutschlands und Italiens. Ich wende die Triple-A-Methode hauptsächlich bei Rindern und Ziegen an, aber das Prinzip gilt für alle Säugetiere der Erde. Mein Motto war schon immer, zu besseren Tieren und damit zu einer besseren Welt beizutragen.
Die folgenden beiden Kühe stehen beispielhaft für alle Tiere, die an der Schau teilnehmen. Sie zeigen auf unterschiedliche Weise, was eine Lieblingskuh ausmachen kann: Langlebigkeit, Gesundheit, Charakter und die besondere Verbindung zu ihren Menschen.
Nicky
Für Luis Hellrigl aus Tella auf 1.600 Höhenmetern ist Nicky die absolute Lieblingskuh. Während die meisten Tiere schon in jungen Jahren als Zuchttiere verkauft werden, ist Nicky seit 17 Jahren Teil des Betriebs und wird bald ihr 14. Kalb zur Welt bringen – ein eindrucksvoller Beweis für ihre Fruchtbarkeit und Langlebigkeit.
Luis ist seit 1989 eigenständiger Landwirt, das bedeutet, dass Nicky ihn fast sein halbes Leben als Landwirt begleitet hat. Nicky war nie die Kuh mit der höchsten Milchleistung, sie überzeugte durch ihre Konstanz. Sie war stets gesund und verbrachte jeden Sommer problemlos auf der Alm. Sie ist sehr ruhig, zutraulich und einfach hand zu haben. Luiserzählt sogar schmunzelnd, dass sie beim Klauenschneiden fast den Eindruck machte, als wüsste sie, dass es ihr gut tue. Mit Nicky verbindet Luis auch ein besonderes Ereignis. Beim Almabtrieb 2015, der im Zeichen einer Spendenaktion für die Opfer eines Großbrandes in Taufers im Münstertal stand, trug sie eine eigens angefertigte Krone. Diese wird bis heute in der Stube des Hofes aufbewahrt und erinnert an diesen besonderen Anlass und die besondere Kuh.
Blume
Für Carolin Höller ist Blume eine ganz besondere Kuh. Als Carolin auf den Nuihof in Prad am Stilfserjoch kam, wurde kurze Zeit später Blume geboren. Seitdem haben die beiden eine enge Verbindung. Blume ist noch eine junge Kuh und hat heuer ihr erstes Kalb zur Welt gebracht. Bereits in ihrer ersten Laktation hat sie die Erwartungen ihrer Besitzerin in jeder Hinsicht übertroffen. Wenn sie die positiven Eigenschaften ihrer Mutter übernimmt, die heute noch gemeinsam mit ihr im Stall steht, wird sie sich zu einer robusten, langlebigen und ausgeglichenen Kuh entwickeln.
Auch wenn Blume keine ausgesprochene Schmusekuh ist, begeistert sie mit ihrer aufmerksamen und neugierigen Art. Genau diese Eigenschaften machen sie für Carolin Höller zur absoluten Lieblingskuh – eine Kuh, die sie immer wieder zum Schmunzeln bringt.
Termine
Samstag, 26. September
- 10:00 - 15:30 (Parkplatz in der Kugelgasse)



