Symposium "Der Rinderstall der Zukunft in den Alpen"

Symposium "Der Rinderstall der Zukunft in den Alpen"

Wir leben in einer hoch spezialisierten Gesellschaft. Es ist der Versuch, eine Antwort auf eine stets komplexere Welt zu liefern. Aus dieser Denke entstehen zu Recht viele Lösungsansätze, ganz allgemein im Leben und eben auch in der Landwirtschaft. Spezialisiertes Denken hat jedoch auch dazu geführt, dass wir von immer weniger immer mehr wissen. Auch in Sachen Rinderhaltung nähern wir uns den Herausforderungen aus einem sehr spezialisierten Blickwinkel. Was passiert mit unseren Ställen, wenn wir wieder einen breiten, sprich holistischen Ansatz hegen? Verändert sich deren Bauweise? In welcher Form? Was passiert, wenn Klimaforscher, Biologen, Landwirte, Bänker, Architekten, Veterinäre, Beamte, Forscher und nicht zuletzt Stallplaner sich für 3 Tage an einen Tisch setzen? Wir wissen es nicht, ahnen aber, dass daraus spannende Gedanken und Konzepte entstehen können. Es ist ein Versuch. Auch Scheitern ist erlaubt.

Eine Schlagzeile im newsletter “Vision Landwirtschaft” der Schweiz hat in mir erstmals die Idee in Richtung eines Symposiums entfacht. Sie lautete: Schweizer Milchviehbauern verschulden sich bei Stallbauprojekten über Generationen. Ein weiterer Impuls, das Thema tiefergehend zu besprechen, entsprang einer Diskussion mit Elias Theiner, Lehrer an der landwirtschaftlichen Schule Fürstenburg und Theo Pieters, Triple-A Berater aus Holland.

In Sachen Tierschutz hat sich sehr vieles verbessert. Neue Laufställe bieten Platz, Licht und Möglichkeit für relativ viel Bewegung der Tiere. Meist produzieren die neuen Betriebstätten als Wirtschaftsdünger Gülle. Wie verhält es sich mit dem Schutz der Milliarden Kleinlebewesen im Boden, wenn Gülle den ausschließlichen Wirtschaftsdünger darstellt? Humusaufbau ist eine der Herausforderungen unserer Generation. Dadurch steigt die CO2 Bindungsfähigkeit der Böden, auch deren Wasserhaltevermögen steigt. Können durch neue Stallbauformen Wirtschaftdünger entstehen, die für den Humusaufbau dienlich sind? Platz für Kühe bedeutet Kosten. Automatisierung der Abläufe auch. Das verbessert einerseits das Leben der Bauern und Bäuerinnen, wie aber finanzieren sich solche hohen Investitionssummen? Die Verschuldung vieler Landwirte ist groß. Könnte eine gezielte Ausrichtung der Betriebe auf Weidewirtschaft in der einen oder anderen Situation die Baukosten senken? Wie funktionieren erfolgreiche Kooperationsprojekte?

Die Bürgergenossenschaft will immer wieder Themen aufwerfen, die unser Leben und Wirtschaften betreffen, sie in Diskussion bringen und Lösungsvorschläge für die Zukunft erarbeiten.

Das Symposium wird moderiert von den Mitarbeitern des Institutes für Regionalentwicklung der EURAC (europäische Akademie) aus Bozen. Wir dürfen auf die Ergebnisse gespannt sein.
Alexander Agethle

Gemeinsam über den Stall der Zukunft nachdenken
Wie sieht ein Rindermilchviehstall aus, der auch in zwanzig Jahren den Bedürfnissen von Tier, Mensch und Umwelt gerecht wird? Angesichts des Klimawandels, sich wandelnder gesellschaftlicher Erwartungen, neuer technischer Möglichkeiten, wirtschaftlicher Herausforderungen und der Frage, wie tiergerechtere Haltungsformen künftig gestaltet werden können, gibt es darauf keine einfache Antwort. Umso wichtiger ist es, Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Blickwinkeln zusammenzubringen und den Austausch über mögliche Zukunftswege zu fördern.

Aus unserer Sicht entstehen tragfähige Lösungen dort, wo Wissen aus Praxis, Planung und Forschung zusammenkommt. Landwirt:innen, Planer:innen, Tierärzt:innen, Architekt:innen, Forschende und viele weitere Akteur:innen bringen dabei jeweils ihre eigene Perspektive und ihr Fachwissen ein. Ziel des Symposiums ist es, diesen Austausch mittels Werkstätten zu ermöglichen und gemeinsam den Blick von den Herausforderungen der Gegenwart auf die Möglichkeiten der Zukunft zu richten. Mithilfe der Three-Horizons-Methode möchten wir einen offenen Denkraum schaffen. Dabei geht es unter anderem um die Fragen, welche Aspekte heutiger Rindermilchviehställe stehen unter Druck oder sind langfristig nicht mehr zukunftsfähig? Wie sehen zukunftsfähige Ställe im Jahr 2040 aus? Was muss in den nächsten 15 Jahren geschehen, damit diese Vision Realität werden kann?

Wir verstehen das Symposium nicht als Konferenz mit fertigen Antworten, sondern als gemeinsames Experiment und interdisziplinäres Brainstorming. Von Schluderns sollen wichtige Impulse für die Zukunft der Milchviehhaltung im Alpenraum ausgehen.
eurac research – Institut für Regionalentwicklung

Teilnehmer:innen am Symposium “Der Rinderstall der Zukunft in den Alpen”

Roland Furgler, Leiter ethische Bank, Raiffeisenkasse Bozen, Finanzierungen
Mechthild Knösel, Rinderexpertin, Umgang mit Rindern, Tierwohl
Andrea Beste, Agrarwissenschaftlerin, Diplomgeographin und Bodenexpertin, Weltagrarpolitische Zusammenhänge
Willi Innerhofer, Ingenieur, Experte für Stallbau
Elias Theiner, Lehrer an der Fachschule für Land- und Forstwirtschaft Fürstenburg, Ideengeber, Tierzuchtexperte
Elisabeth Stöger, Tierärztin, artgerechte Tierhaltung, Leiterin Bio Austria Telefonberatung
Peter Gasser, Tierarzt, Naturschützer und Kenner der lokalen Viehwirtschaft
Jürgen Wallnöfer, Architekt, plant aktuell einen Stall
Thomas Zanon, Professor für Tierzucht an der Uni BZ, Landwirt und Tierzuchtexperte
Martin Häusling, EU-Parlamentarier und Landwirt, Auftraggeber einer großen Weidestudie 2026
Andreas Flora, Architekt, Professor an der Uni Innsbruck, Raumplanung, Ressourcenmanagement
Rudolf Strasser, Agronom, ganzheitliches Denken, erstes Kooperationsmodell in der Schweiz in den 80igern
Markus Joos, ehemaliger Leiter Amt für Landwirtschaft Schlanders, Förderungen, Kenner der lokalen Landwirtschaft und Politik
Leo Hilpold, Amtsdirektor Amt für Ökologie, Ökologische Auswirkungen
Gion A. Caminada, Architekt, eh.Prof. ETH Zürich, Bauen im ländlichen Raum
Nina Hitz, Landwirtin, Shiatsumasseurin für Tiere, Kooperationsmodell Churwalden
Lena Hitz, Landwirtin, Tierhomöopathin, Kooperationsmodell Churwalden
Anja Matscher, Biobäuerin, Investitionen aus Sicht der Familie; Überschuldung
Michael Kuppelwieser, Bring- Südtiroler Beratungsring, Stallbauberater
Wolfgang Gurgiser, Uni Innsbruck, Klima, Gletscher, Wasserhaushalt im alpinen Raum
Florian Theiner, Landwirt, bauinteressierter Landwirt, Matsch
Fabian Bernhard, Landwirt, bauinteressierter Landwirt, Schlinig
Janine Braun, Doktorandin Uni Bern, Grasland und Weidemanagment
Christian Kofler, Bioland Berater Viehwirtschaft, Stallbau aus Sicht des Biobetriebes
Remo Petermann, BBZ Schüpfheim. Berater Milchviehhaltung, Rindviehfütterung, Produktionssysteme, Weiden (BBZN Schüpfheim)
Giovanni Perathoner, Fachbereichsleiter Berglandwirtschaft Versuchszentrum Laimburg, Auswirkungen der Viehwirtschaft auf Pflanzen und Böden
Gregor Zeller, Agrartechniker, gelernter Landwirt und 20 Jahre Berufserfahrung im Stallbau
Thomas Streifeneder, EURAC Bozen; Wissenschaftliche Begleitung
Vivien Büchele, EURAC Bozen; Moderation
Christian Hoffmann, EURAC Bozen; Moderation
Philippa Depping, EURAC, Bozen; Moderation
Christina Dalla Torre, EURAC Bozen, Moderation
Alexander Agethle, BGO, Landwirt, Agronom, Koordination Symposium

Termine

Donnerstag, 24. September

  • 12:00 - 18:00 (Ex-Dorfladen)

Freitag, 25. September

  • 08:00 - 20:00 (Ex-Dorfladen)

Samstag, 26. September

  • 08:00 - 12:00 (Ex-Dorfladen)